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Mi. 23. Jun. 2010, 09:13

Nachrechnen ja, aber richtig!

Menschen mit Behinderung brauchen Dienstleistungen zum Leben. Aufstehen, sich Waschen und Anziehen, etwas essen, das Haus verlassen und zur Schule oder Arbeit gehen, eine Ausbildung machen, ... wer dafür Unterstützung braucht, der muss sie bekommen, genauso wie die notwendige medizinische und therapeutische Behandlung und Hilfsmittel, die das Leben erleichtern. Und jede SteirerIn wird froh sein, dass es die Möglichkeit von Hilfeleistungen nach dem Steiermärkischen Behindertengesetz gibt, wenn er/sie diese Hilfen benötigt.

Diskussionsbeiträge der Wirtschaftskammer Steiermark der letzten Tage lassen in Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen nun Angst aufkommen, da pauschal Sozialleistungen in Frage gestellt werden. Thomas Spann: „Mit der Steigerung von 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren haben wir es mit einer Kostenexplosion zu tun, der ganz offensichtlich keine Leistungsexplosion gegenübersteht“. In einer Presseaussendung nennt die Wirtschaftskammer die Behindertenhilfe des Landes ein „heißes Eisen“, was immer das heißen soll.

Die WK sich dabei auf eine Studie, die angeblich zu derartigen Aussagen berechtigt. Wenn das so ist, hat diese Studie einen wesentlichen Schwachpunkt: sie hat offensichtlich die Leistungsexplosion nicht gefunden, weil die Studienautoren nicht mit den Betroffenen, Menschen mit Behinderung, ihren Familien und Behindertenorganisationen gesprochen haben.

Hätten sie das getan, hätten sie beachtliche Entwicklungen gefunden, wie sie z.B. das Land Oberösterreich, das die WK zum Vergleich herangezogen hat, noch nicht aufzuweisen hat. Mit dem neuen Behindertengesetz werden ab 2004 mobile Dienstleistungen zur Unterstützung selbständigen Lebens in den Wohnsitzgemeinden vor stationärer Versorgung angeboten. Menschen mit Behinderung werden beim Arbeiten und Leben unterstützt, dort wo sie zu Hause sind. Die vielen Familien, Angehörige zu Hause pflegen und betreuen erhalten erstmals in der Steiermark notwendige Entlastungsdienste, damit sie weiterhin diese anstrengende Betreuung ausüben können, usw.

Auf der Grundlage dieses Gesetzes konnten seit 2004 Tausende Menschen zusätzlich unterstützt werden und so selbständig leben wie möglich. Und selbstverständlich sind die Zahlen dazu aus der WIPS Datenbank des Landes Steiermark verfügbar.

Die Studie ist also nicht aussagekräftig. Über die Behindertenhilfe des Landes Steiermark sollte die WK keine Aussagen machen. Der Vergleich mit dem Land OÖ kann uns sogar stolz machen. Er spricht für die Steiermark. In Oberösterreich müssen noch viele Menschen mit Behinderung in großen Einrichtungen leben. Trotzdem gibt man in OÖ um 16 Millionen Euro mehr für die Behindertenhilfe aus.

Wenn Menschen mit Behinderung und ihre Familien in der Steiermark gefragt würden, würden Ihnen alle bestätigen, dass sie ein Leben in größtmöglicher Selbständigkeit im eigenen Wohnort, wie es das Steiermärkische Behindertengesetz 2004 möglich gemacht hat, vorziehen.